Swisstainable – ein Label fürs Pilgerhaus
Es gibt Dinge, die man von Anfang an plant. Andere entstehen unterwegs, weil man merkt, dass sie bereits Teil der eigenen Geschichte geworden sind. So ging es uns mit Swisstainable.
Seit der Eröffnung der Schwendi fühlt es sich an, als hätte das Haus sein Leben zurückgewonnen. Gäste kommen an, sitzen morgens mit einem Kaffee auf der Terrasse, wandern hoch ins Reichenbachtal oder verbringen gemütliche Stunden in der Gaststube. Und wir selbst halten manchmal kurz inne und staunen, wie eindrücklich dieses alte Haus zu neuem Leben erwacht ist.
Dabei war die Schwendi lange das Gegenteil davon. Zwanzig Jahre Leerstand hinterlassen Spuren. Nicht nur an Fenstern, Wänden und Böden, sondern auch an der Vorstellungskraft. Irgendwann glauben viele nicht mehr daran, dass aus einem solchen Haus nochmals etwas werden kann. Umso schöner ist es heute zu merken, dass genau darin bereits der Kern von Nachhaltigkeit lag: nicht abreissen und ersetzen, sondern erhalten, weiterdenken und sorgfältig erneuern.
An einer Informationsveranstaltung von Haslital Tourismus wurde uns das Nachhaltigkeits-Programm Swisstainable vorgestellt. Während wir zuhörten, merkten wir relativ schnell: Eigentlich begleitet uns vieles davon schon seit Beginn dieses Projekts. Nicht, weil wir ein Label erreichen wollten. Sondern weil wir versucht haben, Entscheidungen mit möglichst viel Sorgfalt zu treffen.
Das Dach wurde erneuert, die Isolation verbessert, die Heizung ersetzt und das ganze Haus in vernünftigem Masse energetisch auf einen zeitgemässen Stand gebracht. Gleichzeitig wollten wir den Charakter des alten Hotels erhalten und daraus etwas machen, das langfristig Sinn ergibt – für Gäste, für die Region und auch für uns selbst. Besonders wichtig war uns dabei immer die Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben. Viele Handwerker aus der Region haben an der Schwendi mitgearbeitet. Rückblickend war dies weit mehr als einfach praktisch. Die Wege waren kurz, die Lösungen direkt und oft entstand genau dadurch diese besondere Mischung aus Qualität, Pragmatismus und echter Verbundenheit mit dem Haus.
Dass die Schwendi nun offiziell Teil des Swisstainable-Programms ist und das Level I – committed trägt, freut uns deshalb ehrlich. Nicht wegen des Logos. Sondern weil es schön ist, wenn das, woran man glaubt, plötzlich auch einen Namen bekommt.
Und auch jetzt, nach dem Umbau, denken wir weiter. Nachhaltigkeit hört ja nicht mit der letzten Baustelle auf. Gerade organisieren wir für unsere Gäste neue Möglichkeiten für nachhaltige Mobilität: Zwei E-Bikes sind bereits bestellt und bald wird zusätzlich ein E-Auto zur Verfügung stehen. Wer mit dem öffentlichen Verkehr anreist, soll unkompliziert mobil bleiben. Und wer mit dem Auto kommt, darf es gerne einfach einmal eine Weile stehen lassen.
Je länger wir uns mit diesem Thema beschäftigen, desto klarer wird uns: Die spannendste Form von Nachhaltigkeit ist nicht Verzicht, sondern intelligente Sorglosigkeit. Komfort, der sich gut anfühlt und gleichzeitig verantwortungsvoll bleibt. Angebote, die Freiheit schaffen, ohne verschwenderisch zu sein. Die echteste Art von Nachhaltigkeit ist diejenige, welche sich ergibt, indem man den Ort, die Umgebung und die Nutzung natürlich gestaltet. In unserer Bewerbung fürs Label haben wir lediglich zusammengetragen, was wir getan hatten. Innerhalb zweier Tage haben wir danach das Label erhalten.
Es machte gerade unglaublich viel Freude, einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, dass aus einem alten leerstehenden Hotel wieder ein Ort geworden ist, der Zukunft ausstrahlt und ein Beispiel dafür ist, wie Sorgfalt und Aufmerksamkeit für Ressourcen und Substanz selbstverständlich Nachhaltigkeit schaffen. Fortsetzung folgt.