Wenn der BLICK auf die Schwendi fällt

Der Blick ist jetzt nicht unbedingt die Zeitung, die man im Pilgerhaus Schwendi selbstverständlich auf den Salontisch legen würde. Boulvard-Tonalität, nicht zimperlich, direkt und nicht selten polemisch. Umso spannender war für uns die Erfahrung, plötzlich genau mit dem BLICK in Kontakt zu kommen. Und wir waren beglückt, wie angenehm, interessiert und wohlwollend diese Begegnung wurde.

Alles begann mit einem Telefonat von Corine Turrini Flury. Sie arbeitet an einem Format über besondere Umbauprojekte – Häuser mit Geschichte, ungewöhnliche Ideen, Menschen, die irgendwo zwischen Vision und Wahnsinn etwas anpacken. Dass die Schwendi da irgendwann auftauchen würde, hätten wir ehrlich gesagt nicht erwartet.

Das erste Gespräch verlief entsprechend offen. Kein klassisches Interview, eher ein neugieriger Austausch. Von alten Hotelzimmern ging es plötzlich zu Pilgern des Lebens, von Staub und Baustellen zu Weghalt, Gaststube und Zwischensinn. Und irgendwann merkten wir: Corine sucht nicht einfach Bilder eines Umbaus. Sie versucht zu verstehen, weshalb man ein solches Projekt überhaupt beginnt.

Wenig später folgte ein längeres Interview. Strukturierter diesmal, mit konkreteren Fragen, vielen Details und immer wieder diesen Momenten, in denen wir selbst nochmals über unsere Entscheidungen nachdenken mussten. Als Corine uns später den daraus entstandenen Text am Telefon vorlas, war ziemlich schnell klar: Sie hatte verstanden, worum es uns eigentlich geht. - Nicht einfach um schöne Räume. Sondern um die Idee dahinter.

Umso mehr freuten wir uns auf den Besuch vor Ort. An einem Montag fahren Corine und Kameramann Raphael die schmale Strasse hoch zur Schwendi. Wieder stapelt sich Technikmaterial im Eingangsbereich. Kameras, Taschen, Mikrofone, Objektive. Draussen zieht der Föhn durchs Haslital und hält die schweren Regenwolken gerade noch zurück. Einer dieser Tage, an denen die Luft fast überreal klar wirkt. Raphael fragt sich: Kann die Drohne bei diesem Wind überhaupt wieder landen? So beginnt er den Drohnenflug, noch bevor die erste Frage gestellt wurde.

Während draussen die Böen um die Hausecken ziehen, entstehen drinnen Bilder und Gespräche. Raphael filmt Details des Hauses, die Aussicht, die Terrasse, die Gaststube. Corine stellt Fragen, die weniger nach Architektur und mehr nach Beweggründen suchen. Warum investiert man so viel Zeit und Energie in ein Haus, welches viele längst abgeschrieben hatten? Weshalb nennt man es Pilgerhaus? Und warum entstehen aus zwölf Hotelzimmern plötzlich nur noch sechs Apartments? Es sind Fragen, die wir gerne beantworten. Weil sie tiefer gehen als Oberflächen.

Dass der Beitrag später im Blick so ausführlich erscheinen würde, überraschte uns ehrlich. Nicht einfach ein kurzer Onlineartikel, sondern eine richtige Geschichte – ergänzt mit Bildern aus unterschiedlichsten Phasen des Umbaus. Einige davon sorgten bei uns selbst für ein Schmunzeln. Möbelberge, Staubschichten, Baustellenchaos. Wenn man heute durch die fertigen Räume geht, wirken diese Bilder fast unwirklich.

Zwischendurch gab es natürlich Kaffee. Sehr guten Kaffee. Wir stellen langsam fest, dass sich mit herrlichem Kaffee erstaunlich viele Menschen glücklich machen lassen. Vielleicht gehört das inzwischen genauso zur Schwendi wie die Aussicht oder der Schwedenofen. Aber wir bedienen auch gerne Menschen, die die Kaffee-Kultur noch nicht entdeckt haben.

Nach der Veröffentlichung wurde es plötzlich nochmals etwas lebendiger rund um unser Projekt. Menschen meldeten sich, die bislang nur am Rand mitbekommen hatten, was hier oben eigentlich entstanden ist. Bekannte gratulierten. Newsletter-Anmeldungen trafen ein. Nachrichten von Leuten, die schrieben, sie seien durch den Artikel neugierig geworden. Wir merken zunehmend: Geschichten finden ihren Weg. Und oft erreicht man Menschen nicht über Werbung, sondern über persönliche Erlebnisse.

Spannend fanden wir auch die Diskussionen unter dem Beitrag. Manche freuten sich einfach über die Wiederbelebung des Hauses. Andere hinterfragten die Nachhaltigkeit eines solchen Umbaus. Ist so etwas überhaupt sinnvoll? Nachhaltig? Zeitgemäss? - Oder gar der Ruin …

Und vielleicht ist genau das das Schönste an all diesen Medienbesuchen: Dass die Schwendi inzwischen Gespräche auslöst. Über Häuser. Über Tourismus. Über Regionen. Über Ideen, die zuerst etwas verrückt wirken – und irgendwann plötzlich ganz selbstverständlich werden.

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