Eine Sorge weniger, ein Dach mehr

Es gibt auf Baustellen Dinge, die sind fertig, bevor sie fertig sind. Unser Fundament für den Velounterstand gehörte dazu. Es lag da, gut sichtbar, ein wenig ausgesetzt und wartete auf den Moment, in dem endlich etwas darauf wachsen würde. Und während es wartete, wuchs bei uns eine andere Sache: die Sorge, dass vorher noch jemand beim Wenden ein Stück davon mitnimmt.

Das wäre natürlich ärgerlich gewesen. Ein Fundament zu bauen, damit später ein Velounterstand darauf steht, ist das eine. Ein Fundament zuerst zu bauen, dann monatelang zu beobachten und am Schluss wegen eines unglücklichen Fahrmanövers nochmals darüber zu sprechen, wäre eine jener Schwendi-Geschichten geworden, die man lieber nicht schreiben möchte. Zum Glück müssen wir sie nicht schreiben.

Unsere Sorge blieb, was Sorgen offenbar sehr oft sind: überzeugend im Auftritt, aber schwach in der Trefferquote. Dazu passt eine Studie mit dem wunderbaren deutschen Titel «Die Täuschung der Sorge entlarven». Die Forschenden liessen Menschen festhalten, worüber sie sich sorgten, und später prüfen, was davon tatsächlich eintraf. Das Resultat war bemerkenswert: Rund 91 Prozent der dokumentierten Sorgen wurden nicht wahr. Und selbst dort, wo etwas eintraf, war es häufig weniger schlimm als befürchtet.

Wir können das nun nicht für alle Lebenslagen beurteilen. Aber für unser Fundament dürfen wir festhalten: Die Wissenschaft und die Schwendi sind sich einig. Es blieb ganz.

Und dann kam es sogar noch besser. David, unser Bauleiter und Nachbar, hatte eine Holzbaufirma aus Brienz gefunden, die den Velounterstand noch diesen Sommer bauen konnte. Als Termin war Ende August vorgesehen. Wir stellten uns also auf Warten ein. Was man nach den letzten Jahren durchaus gelernt hat. Doch plötzlich kamen Ende Juli Fotos von der Baustelle.

Auf einmal standen Pfosten, Balken und Dachform dort, wo vorher nur Fundament und Vorstellungskraft lagen. «Unverhofft kommt oft» ist ein Sprichwort, das man in Bauprojekten nicht jeden Tag mit Freude verwendet. In diesem Fall aber schon. Der Velounterstand war nicht nur unterwegs, er war schon da. Oder zumindest so weit, dass man nicht mehr über ihn sprach, sondern unter ihm stehen konnte.

Ganz so leichtfüssig, wie wir ihn uns vielleicht einmal vorgestellt hatten, ist er nicht geworden. Er steht kräftiger da. Etwas präsenter. Fast ein bisschen selbstbewusst. Das hat allerdings gute Gründe. Ein Dach braucht eine gewisse Neigung. Und wer im Hasli baut, denkt nicht nur an lauschige Sommertage, sondern auch an Schneelast, Wetterwechsel und Föhnstürme, die einem ziemlich klar machen können, dass Romantik und Statik zwei verschiedene Disziplinen sind. Der Unterstand soll nicht nur schön aussehen. Er soll bleiben.

Nun geht die Arbeit weiter. David darf wieder einmal seiner Freude nachgehen, als Zimmermann tätig zu sein. Die Verschalung des Unterstandes wird er mit Helfern selbst übernehmen. Das Holz liegt bereits schön gedeckt bereit, die Schrauben sind bestellt, das Werkzeug ist abgesprochen. Es gibt also wieder diese Mischung, die wir in der Schwendi inzwischen gut kennen: ein Plan, ein paar kräftige Hände, Material am richtigen Ort und die leise Hoffnung, dass das Wetter weiter so tut, als gehöre es zum Team.

Der Velounterstand gehört zu der Art von Mobilität, die wir unseren Gästen ermöglichen möchten: unkompliziert, hilfreich und ohne grosses Tamtam: Bald finden hier unsere E-Bikes ihren Platz. Auch die Ladestation für Elektroautos bekommt ihren richtigen Rahmen. Noch ist sie provisorisch eingerichtet, wurde aber bereits von Gästen genutzt - mit einer schönen Überraschung: Auch das Laden des Autos ist bei uns inklusive.

Wer die Schwendi bucht, darf also ruhig ein wenig entdecken, was alles dazugehört. Ein Apartment. Kaffee in der Gaststube. Ruhe. Ausblick. Bald E-Bikes. Eine Lademöglichkeit fürs Elektroauto. Und nun auch ein Dach, das nicht nur Velos schützt, sondern eine kleine Sorge endgültig beendet.

Manche Sorgen treffen nicht ein. Manche Dinge kommen früher als erwartet. Und manchmal steht plötzlich ein Unterstand dort, wo lange nur ein Fundament war - und erinnert einen daran, dass auch auf Baustellen nicht immer alles komplizierter wird. Manchmal wird es einfach fertig.

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