Was möglich wird, wenn nichts muss

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Regeln im Pilgerhaus Schwendi: Man muss hier nichts.

Man muss kein Programm buchen, keinen fixen Tagesablauf einhalten, keine Seminarziele erreichen, keine Erlebnisse sammeln und auch nicht erklären, weshalb man gekommen ist. Wer ankommt, bekommt zuerst einmal Raum. Ein Apartment, das während des Aufenthalts wirklich das eigene ist. Eine Gaststube, die man nutzen darf, wenn einem nach Kaffee, Lesen, Arbeiten oder Gespräch ist. Eine Terrasse, auf welcher der Tag eindrücklicher wird, als man es sich vorgestellt hatte. Und eine Landschaft vor der Tür, die niemandem etwas beweisen muss.

Gleichzeitig merken wir immer mehr: Gerade weil man nichts muss, wird vieles möglich.

Manche Gäste kommen für einen individuellen Weghalt. Ein paar Tage heraus aus dem normalen Takt. Nicht als grosse Auszeit mit dramatischem Untertitel, sondern als bewusster Zwischenhalt. Schlafen. Lesen. Wandern. Arbeiten. Schreiben. Schweigen. Eine Entscheidung anschauen, die im Alltag immer wieder wegrutscht. Oder einfach wieder einmal erleben, dass ein Tag nicht schon verplant sein muss, bevor er begonnen hat.

Andere kommen als Team oder Gruppe. Für eine Strategie- oder Projekt-Klausur, für eine Geschäftsleitung, für ein Thema, das im Büro zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Das Pilgerhaus kann dafür exklusiv genutzt werden: das ganze Haus für die eine Frage, die weiterführen soll. Tagsüber harte Arbeit am Kern, abends der Ausklang am Feuer. Kein Seminarbetrieb, keine austauschbare Workshop-Atmosphäre, sondern eine Zäsur. Ein Ort, an dem man nicht nur anders sitzt, sondern oft auch anders denkt.

Dann gibt es Angebote, die aus unserer eigenen Freude am Unterwegssein entstanden sind. Die Rennrad-Pilgertage zum Beispiel. Vier Tage mit dir und deinem Rennrad – nicht als Trainingslager, sondern als Einladung, den eigenen Flow wiederzufinden. Nicht als Gruppe, sondern ganz mit sich allein. Wer auf dem Rennrad unterwegs ist, weiss: Irgendwann sortiert der Körper, was der Kopf allein nicht schafft. Der Rhythmus, die Steigung, die Abfahrt, das Dranbleiben und Loslassen – all das kann mehr mit innerer Klärung zu tun haben, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Daneben entstehen im Pilgerhaus auch Angebote von Menschen, die mit ihrer eigenen Arbeit gut zu diesem Ort passen. Im November und im März findet beispielsweise ein CEO-Retreat mit Peter Reuteler statt. Ein Retreat für Führungspersönlichkeiten, die nicht noch mehr Techniken, Modelle und Funktionen suchen, sondern einen bewussten Schritt zurück: von der Funktion zur Präsenz, von der Führungstechnik zur inneren Führung, von der Rolle zum Menschen. Auch das passt zur Schwendi. Nicht weil alles von uns kommen muss, sondern weil gute Menschen mit guten Gedanken hier einen besonderen Resonanzraum finden.

Und manchmal braucht es gar keinen Gedanken mehr, sondern nur noch Entspannung. Dafür gibt es neu die Pilgerhaus-Massage. Wenn der Körper längst erzählt, was man selbst noch nicht formulieren konnte. Wenn Schultern, Rücken oder Füsse mehr tragen, als ihnen guttut. Eine klassische Massage, eine Fussreflexzonen-Massage, eine Lomi Lomi Nui Massage oder ein begleitendes Gespräch mit Berührung – nicht als Wellness-Dekoration, sondern als stille Möglichkeit, wieder bei sich anzukommen.

So wächst die Schwendi Schritt für Schritt. Nicht zu einem Hotel mit möglichst vielen Angeboten, die man konsumieren soll. Sondern zu einem Ort mit Möglichkeiten. Wer Ruhe sucht, findet Ruhe. Wer arbeiten will, findet Konzentration. Wer mit anderen weiterkommen möchte, findet Räume für Austausch. Wer sich bewegen will, findet Wege, Pässe, Höhenmeter und Täler. Wer Entspannung braucht, findet Berührung. Und wer gar nichts braucht, darf auch einfach da sein.

Im Pilgerhaus beginnt der Aufenthalt nicht mit einem Programm, sondern mit einer Einladung: Du musst nichts. Aber du kannst.

Unsere Angebote sind keine starren Programme, die gebucht und abgearbeitet werden wollen, sondern Einladungen: Wer kommt, findet hier seinen eigenen Rhythmus, seine eigenen Tage – und hoffentlich auch ein Stück weit sich selbst. - Uns zumindest geht es so, wenn wir Zeit hier verbingen.

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Eine Sorge weniger, ein Dach mehr