Wenn man schon weiss, was zum Frühstück passt
Es gibt Gäste, die zum ersten Mal ankommen und zuerst schauen. Wo ist die Gaststube? Wo gibt’s Tee und Kaffee? Wo sitzt man am Abend am gemütlichsten? Wie fühlt sich dieses alte Haus überhaupt an? Und dann gibt es Gäste, die wiederkommen.
Sie öffnen die Tür anders. Nicht mehr neugierig, sondern vertraut. Sie wissen, wo ihre Lieblingsplätze sind, kennen den Weg durch die Gaststube und brauchen keine lange Erklärung mehr. Manche bringen diesmal Freunde mit, weil sie ihnen das besondere Haus und die Region zeigen möchten. Und plötzlich erleben wir etwas Schönes: Das Pilgerhaus wird nicht mehr ausschliesslich von uns erklärt. Unsere Gäste erzählen es weiter.
Auch Alleinreisende kommen für einen zweiten Weghalt zurück. Da verändert sich die Gastfreundschaft fast unmerklich. Wir wissen bereits, was sie gerne zum Nachtessen oder zum Frühstück eingekauft haben möchten. Sie wissen, wie das Haus tickt und wo sie sich zurückziehen können. Es braucht weniger Organisation und weniger Worte. Dafür entsteht mehr von dem, weshalb wir das Haus zum Leben erweckt haben: Ankommen und Vertrautheit.
Ganz besonders sind Begegnungen mit Menschen, die hier schon übernachtet haben, als die Schwendi noch ein anderes Hotel war. Sie betreten Räume, die ihnen bekannt vorkommen und gleichzeitig völlig neu sind. Sie erinnern sich an frühere Zimmer, Möbel, Gerüche oder Menschen und entdecken, was daraus geworden ist.
Solche Gespräche haben etwas Eigenartiges. Fast, als würde man einen kleinen Schatz teilen, den sonst niemand sieht. Für einen Moment liegen alte und neue Welt übereinander. Nicht nostalgisch, sondern lebendig. Das Haus erzählt weiter, nur mit neuen Kapiteln.
Das alte Hotel Schwendi
Das renovierte Pilgerhaus Schwendi
Und dann kommen die Neugierigen. Arbeitskolleginnen mit ihren Partnern zum Beispiel, die schon so oft von der Schwendi gehört haben, dass sie endlich selbst sehen wollen, wie es sich hier anfühlt. Also Kaffee, Kuchen, Rundgang, sitzen, schauen, reden. Ihre Begeisterung hat uns natürlich gefreut. Wohl auch deshalb, weil man einen Ort irgendwann selbst zu gut kennt. Dann ist es schön zu erleben, was Menschen sehen, die zum ersten Mal hereinkommen.
Ähnlich geht es mit Wanderern und Velofahrern, die vor dem Haus stehen bleiben. Manche schauen nur. Andere beginnen ein Gespräch und möchten gerne einen Blick hineinwerfen. Einer sagte uns kürzlich, er wolle sich «im Namen der Schwendi» bei uns bedanken, weil wir bei der Renovation Altes belassen und mit Modernem ergänzt hätten. Das war ein Satz, der hängen blieb. Er machte das Haus selbst zum Gegenüber. Als hätte die Schwendi ein Gedächtnis und wäre froh, dass man ihr nicht alles Alte genommen hat, nur damit sie neu wirken kann.
Wenn Gäste wiederkommen, Freunde mitbringen oder Menschen stehen bleiben, die dieses Haus von früher kennen, merkt man, dass ein Ort langsam mehr wird als das, was in Grundrissen und Buchungsseiten steht. Er bekommt neue Geschichten und Erinnerungen. Und manchmal kommen sie sogar wieder durch die Tür.