Was rund ums Haus einfach weiterwächst

Man könnte meinen, nach einem Umbau werde es rund ums Haus irgendwann ruhiger. Die grossen Maschinen sind weg, die Handwerker kommen seltener, die letzten Baustellen verschwinden. Und dann übernimmt die Natur.

Vor allem das Unkraut.

Es ist erstaunlich, an welchen Orten etwas wächst, von dem wir ziemlich sicher waren, dass dort gar nichts wachsen kann. Zwischen Steinen, an Kanten, in kleinen Ritzen und genau dort, wo man vor wenigen Tagen noch überzeugt war, alles erwischt zu haben. Jäten gehört deshalb inzwischen ganz selbstverständlich zum Spätsommerprogramm im Pilgerhaus. Nicht exorbitant, aber zuverlässig wiederkehrend.

Etwas mehr Aufmerksamkeit verlangten dagegen die Wespen. Im Estrich hatten sie sich so eingerichtet, dass wir die Sache einem Kammerjäger überliessen. Das war die professionelle Variante. An Hausecken und in Fensterrahmen ging es etwas bodenständiger zu und her. Dort waren Daniela und David zur Stelle, unsere mutigen Nachbarn, die offenbar deutlich weniger Respekt vor Wespen haben als wir. So gibt es inzwischen für fast alles eine Lösung - manchmal mit Fachmann, manchmal mit Nachbarschaftshilfe und etwas Improvisation.

Und dann wären da noch die Fliegen.

Sie gehören seit Jahren zu unseren zuverlässigsten Herbstboten. Sobald die Tage kühler werden, entdecken sie die warmen Fensterrahmen und scheinen sich untereinander abzusprechen, dass die Schwendi ein guter Ort zum Überwintern sein könnte. Sie sitzen dort in erstaunlicher Zahl, geniessen offenbar die Wärme und machen den Eindruck, als hätten sie langfristige Pläne. Vielleicht möchten sie sogar Eier legen. Wir dagegen verfolgen etwas andere Vorstellungen vom Gästeerlebnis.

So hat jede Jahreszeit ihre eigene Form von Hausarbeit. Im Winter ist es der Schnee, im Frühling beginnt draussen alles gleichzeitig, im Sommer wächst es schneller, als man schauen kann, und im Herbst suchen kleine Mitbewohner nach Wärme.

Und irgendwo dazwischen steht man mit Gartenhandschuhen, Fliegentätscher oder Telefon zum Kammerjäger in der Hand und merkt: Ein altes Haus ist nie ganz fertig. All das ist Teil seines Charmes. Es lebt mit den Jahreszeiten - und hält uns angenehm beschäftigt.

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Solange die Sonne noch über den Berg kommt