Jeder Gast ein Kapitel
Es gibt Häuser, die fertig sind, sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Und es gibt Häuser, die erst mit den Menschen, die durch ihre Türen treten, wirklich entstehen. Die Schwendi gehört ganz klar zur zweiten Sorte.
Mit jedem neuen Gast, mit jeder Gruppe, mit jeder Begegnung lernen wir etwas dazu. Manchmal sind es grosse Erkenntnisse über Abläufe und Bedürfnisse, manchmal ganz kleine, fast unscheinbare Dinge. Ein fehlender Haken im Bad. Ein Regal, das im richtigen Moment hilfreich wäre. Ein Lichtschalter, der vielleicht besser dort wäre, wo man ihn intuitiv sucht. Es sind diese Details, die einem erst auffallen, wenn Menschen das Haus tatsächlich benutzen – und genau darum sind unsere Gäste so wertvoll.
So wird jeder Aufenthalt ein kleines Kapitel in der Geschichte der Schwendi. Und wir merken immer deutlicher: Ein Gästeerlebnis entsteht nicht durch grosse Gesten, sondern durch viele kleine, durchdachte Momente.
Besonders intensiv erleben wir das, wenn ein Team zu uns kommt. Vor kurzem durften wir ein Managementteam bei uns begrüssen, das sich für einige Tage zurückgezogen hat, um an wichtigen Fragen aus dem Unternehmensalltag zu arbeiten und sich auch persönlich weiterzuentwickeln. Für Martin begann die Vorbereitung schon Wochen zuvor. Ein Workshop will gut überlegt sein – nicht nur inhaltlich, sondern auch ganz praktisch. Welche Materialien braucht es? Welche Struktur hilft, damit Gespräche Tiefe entwickeln? Welche Räume eignen sich für konzentriertes Arbeiten und welche für den Austausch danach? Neben der Denkarbeit gehörte auch das ganz Handfeste dazu: Workshopmaterial bestellen, Flipcharts organisieren, Stifte, Karten, Papier – all das, was hilft, Gedanken sichtbar zu machen.
Währenddessen liefen an anderer Stelle ganz andere Vorbereitungen. Daniela und Barbara kümmerten sich mit grossem Eifer um die Zimmer für das Team, planten Znüni, Zvieri und Hauptmahlzeiten und überlegten, wie sich der Aufenthalt für die Gäste möglichst stimmig anfühlen könnte. Am ersten Tag war noch eine gewisse Nervosität spürbar – das Haus war bereit, aber wir wollten natürlich auch, dass alles funktioniert. Schon am zweiten Tag wich diese Nervosität einer wertvollen Routine. Nicht zuletzt dank Martina, die uns mit grosser Selbstverständlichkeit unterstützte und extra früh über den Brünig anreiste. Es sind solche Momente, in denen wir merken, wie wertvoll Menschen sind, die einfach zupacken und mitdenken.
Ganz ohne Aufregung ging es natürlich nicht. Am Abend vor dem Eintreffen der Gäste stellten wir fest, dass in der Hotelküche eine Wasserleitung leckte. Solche Situationen lassen den Puls sofort steigen. Statt ins Bett zu steigen, holt man Eimer, Handtücher und improvisiert Lösungen. Zum Glück engagierten wir lokale Handwerker für den Umbau. So konnten wir Rolf, unseren Sanitärinstallateur, vor sieben Uhr am nächsten Morgen erreichen. Und noch bevor die ersten Gäste eintrafen, stand er in der Küche beziehungsweise lag er unter dem Trog und brachte die Sache wieder in Ordnung. Solche Einsätze sind Gold wert – und wir waren einmal mehr dankbar für die Menschen, die zuverlässig da sind.
Inzwischen staunen wir immer wieder darüber, wie gut sich das Haus heizen lässt. Gerade an kalten Tagen zeigt sich, wie durchdacht viele Dinge inzwischen funktionieren – auch wenn die Heizung gelegentlich noch eine Störungsmeldung anzeigt und uns kurz erschreckt. Doch sobald in der Gaststube der Schwedenofen brennt, ist vieles wieder gut. Das Flackern des Feuers erfüllt den Raum mit wohnlichem Licht und angenehmer Wärme, die mehr ist als nur Temperatur. Es ist eine Atmosphäre, die Menschen automatisch ruhiger werden lässt. Besonders schön sind die Morgenstunden. Jetzt, wo die Tage wieder länger werden, fallen die Sonnenstrahlen wieder ins Haus. Die ersten Strahlen berühren das Terrassengeländer und die Fensterrahmen, und der Tag beginnt mit einer Ruhe, welche man im Alltag selten findet.
Kaum ist ein Retreat vorbei, kündigt sich schon der nächste Event an. Im März werden Unternehmer zu uns kommen, um sich gemeinsam spannenden Themen zu widmen, welche sie in ihrem Wirken weiterbringen – und nebenbei auch ein kleines Abenteuer zu erleben. Solche Formate passen wunderbar zur Schwendi: Menschen, die sich bewusst Zeit nehmen, um zu denken, zu diskutieren und vielleicht sogar eine neue Richtung einzuschlagen.
Und bereits im April wartet ein besonderes Ereignis auf uns. Nach den Ostertagen wird ein Team von Schweiz aktuell im Pilgerhaus drehen. Die Sendung wird am Donnerstag, 9. April 2026, live ausgestrahlt und mit Ausschnitten aus früheren Besuchen des Schweizer Fernsehens einen Einblick in viele Stationen unseres Schwendi-Abenteuers geben. Es fühlt sich immer noch ein bisschen surreal an, dass ein Fernsehteam in diesem Haus unterwegs sein wird. Gleichzeitig passt es irgendwie: Die Schwendi hat in den letzten Jahren viele Geschichten hervorgebracht – und nun ist es an der Zeit, einige davon zu erzählen.
Mit dem Frühling richtet sich unser Blick wieder stärker nach draussen. Sobald die Temperaturen steigen, wollen wir uns mit einigen Helfern daran machen, den Velounterstand zu bauen. Das Fundament steht bereits, nun fehlt noch die passende Holzkonstruktion – praktisch, schlicht und schön. Auch die Umgebung des Hauses wird uns beschäftigen. Auf der Ostseite wünschen wir uns eine bunte Blumenwiese, ergänzt durch einige immergrüne Büsche. Es sind Bilder, die wir schon lange im Kopf haben: warme Morgen auf der windgeschützten Terrasse, einen Kaffee in der Hand, während die Sonne über die Hänge steigt. Und am Nachmittag vielleicht ein paar Gäste, die draussen sitzen, lesen oder einfach schauen.
Vor kurzem hat uns auch unser Architekt besucht. Er schaute sich lange um, ging durch die Räume, blieb hier und da stehen – und sagte schliesslich, es sei schön zu sehen, dass dieses Haus gerettet wurde und nun wieder lebt. Dass wir es geschafft haben, den ursprünglichen Charakter zu bewahren und gleichzeitig moderne Elemente einzubringen. Solche Worte freuen uns. Sie bestätigen, dass sich all die Überlegungen, die vielen Gespräche und die unzähligen Varianten gelohnt haben.
Heute sind wir überzeugt, dass wir eine gute Balance gefunden haben: eine Nutzung, die zum Haus passt, und eine Gestaltung, die dem Ort gerecht wird. Und so geht es weiter. Mit jedem Gast. Mit jeder kleinen Verbesserung. Mit jedem Haken, der ergänzt wird, und jedem Regal, das noch seinen Platz findet. Die Schwendi ist kein Haus, das eines Tages „fertig“ sein wird. Sie entwickelt sich – langsam, Schritt für Schritt. Und genau das macht den Reiz dieses Abenteuers aus.